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24. Deaflympics in Brasilien: Zwei Medaillen – Silber und Bronze für Österreich


Am 20. April 2022, zehn Tage vor der Eröffnung der Sommer-Deaflympics 2021 in Brasilien, wurden die Sportler*innen und das Betreuerteam des Österreichischen Gehörlosen-Sportverbandes (ÖGSV) von Herrn Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und Vizekanzler Werner Kogler, der gleichzeitig auch Sportminister ist, in der Wiener Hofburg offiziell verabschiedet.

Vom 1. bis 15. Mai 2022 fanden in Caxias do Sul (Brasilien) die 24. Sommer-Deaflympics, das wichtigste Sommersport-Ereignis für taube Menschen, die alle vier Jahren in verschiedenen Ländern durchgeführt werden (vergleichbar Olympische Spiele bei den Hörenden), statt. Es wurden Wettkämpfe in zwanzig Sportarten durchgeführt. Das österreichische Team war nur in drei Sportarten vertreten, und zwar Badminton-Damen, Beachvolleyball-Herren und Tischtennis-Herren.

Diese Spiele wurden im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens veranstaltet. Das ÖGSV-Team bestand aus sechs Sportler*innen und neun Personen in verschiedenen Funktionen wie Trainer, Physiotherapeut*innen, Kommunikationsassistentinnen und Delegierte.

Obwohl die Weltspiele im Jahre 2022 stattfinden, wurde diese trotzdem als „Deaflympics 2021“ bezeichnet, weil sie ursprünglich im Jahre 2021 geplant waren, aber die Spiele wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben werden mussten.

 

Beachvolleyball: 8. Rang für Bernhard Kurzmann/Benedikt Grath

Beim ersten Beachvolleyball-Gruppenspiel in der Indoor-Beachvolleyballhalle behielt das ÖGSV-Duo Bernhard Kurzmann/Benedikt Grath klar die Oberhand und konnte das brasilianische Duo Monteiro/Dos Santos in zwei Sätzen mit 2:0 (21:10, 21:8) bezwingen. Schließlich musste sich das Beachvolleyball-Team Kurzmann/Grath leider den starken Finnen Ahola/Ropponen mit 0:2 (13:21, 11:21) geschlagen geben. Im letzten Gruppenspiel deklassierte das Österreich-Duo in einem Schnellverfahren Amokwa/Amegashie aus Ghana mit 2:0 (21:4, 21:3). Das ÖGSV-Duo belegte den 2. Gruppenrang und erreichte nun die Finalrunde im K.O.-System.

In der Finalrunde im Achtelfinale konnte sich das Beachvolleyball-Team Kurzmann/Grath gegen die Kanadier Smith/Molenaar behaupten. Das Duo konnte hervorragende Leistungen mit vielen sehenswerten Aktionen zeigen. Die Kanadier hatten keine Chance, somit gewann Österreich ganz klar mit 2:0 (21:8, 21:12). Die Österreicher stiegen in das Viertelfinale auf, wo das höher eingeschätzte ukrainische Paar Tarasov/Renkas auf sie wartete. Sie waren knapp daran in das Halbfinale einzuziehen. Jedoch machte der Gegner aus der Ukraine den Aufstieg zunichte. Die Ukrainer betreiben Beachvolleyball berufsmäßig, wobei das österreichische Team neben seinem ganztägigen Brotberuf nur in ihrer Freizeit Beachvolleyball trainieren und spielen können. Im Viertelfinale behielt die Ukraine also knapp mit 21:17, 21:17 die Oberhand. Dann musste das österreichische Duo das Platzierungsspiel um die Plätze 5 bis 8 antreten. Um den 5. Platz verloren Kurzmann/Grath gegen die jungen Tschechen Zidek/Bambas mit 0:2. Nun trat Österreich um den 7. Platz gegen Sudy/Schmidt aus Deutschland an und verlor nach einem hochdramatischen Kampf mit 20:22 und 16:21, also 0:2-Sätzen. Die ÖGSV-Beachvolleyballer Kurzmann/Grath belegten den ausgezeichneten 8. Platz, die beste Platzierung ihrer Karriere bei den Deaflympics.

 

Badminton: Silbermedaille für Katrin Neudolt

Nach langem, intensivem Training, durfte die amtierende Badminton-Staatsmeisterin (bei der ÖSTM der „nicht-behinderten“ – vom Österreichischen Badminton Verband) Katrin Neudolt, als letzte ÖGSV-Akteurin die Wettkampfluft am sechsten Tag schnuppern. Beim ersten Gruppenspiel setzte sie sich gegen die Taiwanesin Yi Lin mit 2:0 (21:11, 21:9) durch. Beim Abschluss der Gruppenspiele am nächsten Tag gewann sie das Spiel souverän gegen die Türkin Hale Nur Kucuksevgili mit 2:0 Sätzen (21:9, 21:13) und sicherte sich den Gruppensieg.

Im Achtelfinale bezwang Katrin Neudolt ohne Probleme klar die Japanerin Ayaka Yakabe mit 21:5 und 21:12, also wieder ein 2:0 Sieg, und erreichte somit das Viertelfinale, wo sie gegen die Ukrainerin Sofia Chernomorova ebenso klar mit 2:0 (21:11, 21:15) die Oberhand behielt.

Beim Halbfinale um 9 Uhr wartete Katrin Neudolt in der Badmintonhalle vergebens auf ihre Gegnerin Mai Yakabe aus Japan. Sie erschien, genauso wie das gesamte japanische Team, nicht. Erst später erfuhren wir durch den technischen Direktor von Badminton, Martin Bogard, dass alle Spieler*innen aus Japan kurzfristig aus gesundheitspolitischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht antreten können, daher stieg Katrin Neudolt automatisch kampflos und ohne Satzverlust in das Finale auf.

Die Gegnerin im Finale war die junge Inderin Jerlin Jayaratchagan. Es war ein ausgeglichener Kampf auf sehr hohem Niveau. Der erste Satz war ausgeglichen, jedoch am gegen Ende des Satzes konnte sich die Dame aus Indien mit 21:17 durchsetzen und konnte den ersten Satz holen. Der zweite Satz begann für Katrin Neudolt sehr gut. Sie hat 7:1 geführt, dann machte sie etliche Fehler, sodass die Inderin aufholen konnte und schließlich gewann sie auch den zweiten Satz mit 21:18, somit endete das Spiel mit 2:0 für die Asiatin. Es ist die erste Medaille für das Geburtstagskind Neudolt, welche an diesem Tag ihr 33. Wiegenfest feierte, bei den Deaflympics und auch in der Sportart Badminton die erste Medaille in der Geschichte überhaupt.

 

Tischtennis: Bronzemedaille für Christopher Krämer

In der Tischtennishalle, welche sich in einer anderen Stadt namens Farroupilha befindet, etwa eine halbe Autostunde außerhalb der Stadt Caxias do Sul entfernt, wurden alle Tischtennis-Wettkämpfe durchgeführt.

Als erster Wettkampf wurde der Teambewerb im Tischtennis mit den Spielern Christopher Krämer/Lukas Krämer/Erwin Stürmer durchgeführt. Die ersten vier Spiele fand an einem Tag statt. Das ÖGSV-Team musste gegen den favorisierten Gegner aus Taiwan, trotz ausgezeichneter Leistung unserer Spieler, eine 0:3-Niederlage hinnehmen. Das nächste Spiel gegen Südkorea ging überraschend an das ÖGSV-Team, dieses gewann sensationell mit 3:2, und danach konnte das ÖGSV-3-er-Team Ungarn locker mit 3:0 schlagen. Die letzte Begegnung gegen Japan war entscheidend, um sich für die Medaillenkämpfe qualifizieren zu können. Leider musste sich das ÖGSV-Team nach harten Kämpfen gegen die Japaner knapp mit 1:3 geschlagen gegeben. Schließlich musste das ÖGSV-Trio am nächsten Tag um den 7. Platz gegen Indien kämpfen und gewann klar mit 3:0, somit errang die österreichische Tischtennismannschaft den 7. Rang im Herren-Teambewerb.

Dann in den nächsten Tagen beim Herren-Doppelbewerb konnte das Tischtennis-Duo Christopher Krämer/Lukas Krämer die Inder Majumber/Naik klar mit 4:0 schlagen, und stiegen somit ins Achtelfinale auf. Sie mussten dann gegen die hochfavorisierten Ukrainer Ovcharenko/Zakladnyi antreten. Sie schlugen sich tapfer und konnten einen Satz erringen. Jedoch mussten sie dann die Niederlage hinnehmen. Die Ukrainer siegten mit 4:1-Sätzen und das Krämer-Duo musste im Herren-Doppel mit dem 9. Platz vorlieb nehmen.

Im Tischtennis-Einzel siegten Christopher und Lukas Krämer in allen Gruppenspielen und erreichten jeweils den Gruppensieg. Beim ersten Spiel bezwang Christopher Krämer einen polnischen Spieler mit 3:1, schließlich 3:0 w.o. gegen Brasilien, danach 3:0 gegen Kuba und abschließend 3:2 gegen Ukraine. Lukas Krämer besiegte alle Gegner in seiner Gruppe mit 3:0 gegen Thailand, 3:0 gegen Brasilien und schlussendlich 3:2 gegen Indien. Erwin Stürmer verlor trotz seiner guten Leistungen alle Spiele mit 0:3 gegen Spieler aus ostasiatischen Mannschaften und zwar Japan, Korea und Taiwan. Im Sechzehntel-Finale war Lukas Krämers Gegner Shintaro Nadamitsu aus Japan, wobei dieser nicht antrat. Zur gleichen Zeit gewann Christopher Krämer gegen Albin Hedlund aus Schweden mit 4:0. Somit stiegen die Brüder in das Achtelfinale auf.

Im Achtelfinale musste Lukas Krämer leider mit seiner sehr tapfer erkämpften Leistung jedoch eine Niederlage mit 1:4-Sätzen gegen Jung-Tsung Yang aus Taiwan hinnehmen. Christopher Krämer konnte sich klar mit 4:0 gegen den Koreaner Seuk Ok durchsetzen und stand danach im Viertelfinale. Hier konnte er überraschend mit 4:1 den Ukrainer Maksym Ovcharenko schlagen und stand somit im Halbfinale und eine Medaille war fix. Nach starkem Kampf verlor er im Match um das Finalticket 2:4 gegen den unsportlichen Koreaner Changjoon Lee und hat verdient die Bronzemedaille gewonnen. Es ist ebenfalls seine erste Medaille bei den Deaflympics und ebenso wie Badminton, ist es auch die erste Tischtennismedaille überhaupt, wobei man beachten muss, dass die Tischtennis-Großmächte zum Großteil aus Ostasien stammen.

Resümee

Am letzten Tag, den 15. Mai 2022 fand die Abschlussfeier der 24. Deaflympics in Caxias do Sul statt, leider ohne österreichische Beteiligung, weil das Team vorher abgereist ist.

An diesen Spielen nahmen 2.401 Athlet*innen aus 73 Ländern teil. 50 von 73 Nationen konnten eine Medaille erringen.

Die Medaillenwertung gewann Ukraine mit insgesamt 138 Medaillen (62 Gold, 38 Silber, 38 Bronze) ganz klar vor USA mit 55 Medaillen (20 Gold, 11 Silber, 24 Bronze), sowie Iran mit 40 (14 Gold, 12 Silber, 14 Bronze). In der Gesamt-Medaillenwertung belegte Österreich mit insgesamt 2 Medaillen (1 Silber, 1 Bronze) den guten 42. Platz unter 73 Nationen, wobei Österreich eigentlich eine Wintersport-Nation ist.

Beim ICSD (International Committee of Sports for the Deaf) sind mehr als 117 Nationen als Mitglieder registriert. Einige wichtige Länder konnten an den Spielen nicht teilnehmen, weil es die derzeitige politische Situation mit Russland und Weißrussland nicht zulässt. Des Weiteren ist aus coronabedingten, aber auch finanziellen und politischen Gründen die Teilnahme einiger weiteren wichtigen Nationen wie etwa China, Australien, Großbritannien von ihren Regierungen oder nationalen Sportverbänden verwehrt worden. Es ist das erste Mal überhaupt in der Deaflympics-Geschichte, dass die Spiele auf dem lateinamerikanischen Kontinent stattgefunden haben.

Für Österreich und den Österreichischen Gehörlosen-Sportverband (ÖGSV) waren die 24. Sommer-Deaflympics ein großer Erfolg, da die Sportler*innen zwei Medaillen erobert haben, und zwar eine Silber- und eine Bronzemedaille.

Die offizielle Sommer-Deaflympics-Webseite ist https://www.deaflympics2021.com/, wo alle Ergebnisse zu sehen sind. Auch das Media-Team des ÖGSV sorgte für täglich aktuelle Berichterstattung mit Berichten, Fotos und Videos vom österreichischen Team, siehe https://sommerdeaflympics2022.oegsv.at/.

Bericht: Paul Steixner

24. Deaflympics in Brasilien: Zwei Medaillen – Silber und Bronze für Österreich
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